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Diabetes und Durchblutungsstörungen

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Diabetes und Durchblutungsströrungen

Sendung im MDR am 19.5.2011

 

 

Diabetes und Durchblutungsstörungen

 

Die Zuckerkrankheit ist heimtückisch: Lange bevor der Betroffene erste Symptome bemerkt, greift die Krankheit die Gefäße an. Dass dadurch langfristig lebensgefährliche Herzinfarkte oder Nierenversagen drohen, ist bekannt. Doch die Durchblutungsstörungen treten überall im Organismus auf.


Beim damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß wurde 1972 Diabetes diagnostiziert. Er war übergewichtig und hatte zudem hohen Blutdruck. 1988 erlitt er einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er starb. Bei Soul-Legende Barry White griff die Krankheit die Nieren an. Er musste regelmäßig zur Dialyse, bis er 2003 an Nierenversagen starb. Beides sind typische Folgen der Krankheit, denn sie führt zu einer Verstopfung der Gefäße und damit zu Durchblutungsstörungen. Davon können alle Organe betroffen sein.

 

Die richtige Therapie hilft

Die Folgen sind nicht zu übersehen: Alle 19 Minuten erleidet in Deutschland ein Diabetiker einen Herzinfarkt. Alle zwölf Minuten kommt es zu einem Schlaganfall, weil Gefäße im Gehirn verstopft sind. Alle 19 Minuten muss ein Bein amputiert werden. Und alle anderthalb Stunden erblindet ein Diabetiker. Vor diesen Konsequenzen fürchten sich viele Erkrankte. Doch wie groß das individuelle Risiko solcher ernsthaften Folgen ist, hängt vor allem davon ab, ob die Krankheit rechtzeitig erkannt und dann konsequent behandelt wird. Mit der optimalen Therapie können Diabetiker heute schwerwiegende Durchblutungsstörungen vermeiden und sehr alt werden.

 
Zucker - Lebenselixier und Gift

Kohlenhydrate sind die Energielieferanten für unsere Zellen. Es handelt sich dabei um verschiedene Formen von Zucker. Angefangen von Einfachzucker z.B. in Form von Haushaltszucker oder Fruchtzucker über Mehrfachzucker in Form von Stärke, die Hauptbestandteil von Mehl, Kartoffeln oder Reis ist.

Diabetes ist die Folge eines gestörten Zuckerhaushalts

Das Hormon Insulin ist nötig, um Kohlenhydrate in verwertbare Glukose (Traubenzucker) aufzuschließen und in die Zellen zu transportieren. Bei Diabetikern aber ist dieser Mechanismus gestört. Die Zellen nehmen nur unzureichend Zucker auf oder die Bauchspeicheldrüse produziert nicht genügend Insulin. Dadurch bleibt zuviel Zucker im Blut. Dadurch verkleben die Gefäße durch den Zucker. Die Zuckermoleküle lagern sich außerdem in den Gefäßwänden ab und beschädigen sie. An den betroffenen Stellen dringt Cholesterin ein, wodurch die Gefäßwände verdicken und eine gefährliche Arteriosklerose entsteht.

Oft leiden Diabetiker zusätzlich an hohem Blutdruck und an Fettstoffwechselstörungen. Beide Erkrankungen greifen ebenfalls die Gefäße an. Dieser "Dreiermix" ist die Hauptursache für lebensgefährliche Durchblutungsstörungen.

 

Eine Frage des Typs

Es gibt zwei Typen der Zuckerkrankheit. Typ I ist der anlagebedingte Diabetes. Hierbei kommt zu einem Ausfall der Bauchspeicheldrüse. Sie produziert zunächst weniger und schließlich gar kein Insulin mehr. Der Blutzucker kann daher nicht in die Zellen gelangen. Diabetes Typ I kann schon in jüngeren Jahren entstehen.

 Übergewicht begünstigt die Enstehung von Diabetes Typ II

Weitaus häufiger tritt aber der erworbene Diabetes Typ II auf. Der so genannte "Alterszucker" und gilt als Wohlstandskrankheit. Hauptauslöser ist das Übergewicht. Es führt dazu, dass Insulin nicht mehr richtig wirkt, weil die Zellen immer weniger darauf reagieren. Weil die Bauchspeicheldrüse dadurch mehr Insulin produzieren muss, verschleißt sie sich vorzeitig.

Die Trennung zwischen Diabetes Typ I und II ist allerdings nicht immer eindeutig. Einerseits erkranken heute zunehmend bereits übergewichtige Kinder an einem "Altersdiabetes". Andererseits kann der Typ I auch im höheren Lebensalter auftreten. Dies kann besonders gefährlich werden: Wird bei einem vielleicht etwas übergewichtigen Mittvierziger ein Diabetes diagnostiziert, liegt schnell die Schlussfolgerung nahe, es handele sich um einen Typ II. Eine Behandlung mit den entsprechenden Medikamenten, die die Empfindsamkeit der Zellen gegenüber Insulin verbessert, nützt dann aber nichts. Eine genaue Klärung, um welche Erkrankung es sich handelt, ist also immer dringend angeraten.

Prädiabetes

Schon bevor der Diabetes mellitus Typ II ausbricht, kann bereits über Jahre eine Insulinresistenz vorliegen. Sie bereitet keine Beschwerden und ist daher besonders heimtückisch. Denn schon in dieser Phase treten Gefäßschäden auf. Die Durchblutungsstörungen beginnen im Durchschnitt bereits 15 Jahre vor der Manifestation des Diabetes! Vom Prädiabetes spricht man, wenn der Nüchternblutzucker zwischen 110 und 126 Milligramm pro Deziliter oder 6,1 Millimol pro Liter liegt. Allerdings kann der Nüchternblutzucker auch unauffällig sein, obwohl ein Prädiabetes vorliegt. Sicheren Aufschluss bringt ein Glukosebelastungstest. Nach der Gabe einer bestimmten Menge Glukose wird stufenweise der Blutzuckergehalt gemessen. Liegt er nach zwei Stunden noch zwischen 150 und 199 Milligramm pro Deziliter bzw. 11,1 Millimol pro Liter, liegt ein Prädiabetes vor. In diesem Stadium kann durch eine Anpassung des Lebensstils der Ausbruch der Krankheit verzögert oder sogar verhindert werden. Studien haben gezeigt, dass man mit ausreichender Bewegung und einer Ernährungsumstellung seine Glukosetoleranz erheblich verbessern und die Blutzuckerwerte normalisieren kann. Wer übergewichtig ist und nahe Verwandte mit Diabetes hat, sollte in Erwägung ziehen, möglicherweise von Prädiabetes betroffen zu sein. Auch ein erhöhter Blutdruck kann ein Hinweis sein.

Ernährungsregel bei Diabetes? Essen, was schmeckt!

Die Ernährungsregeln für Diabetiker haben sich im Laufe von Generationen ständig verändert. Paracelsus setzte Hungerkuren ein, im 18. Jahrhundert gab es eine Fleischdiät, später Milch- und Haferkuren. Im späten 20. Jahrhundert wurden Kohlenhydratmenge und Mahlzeitenrhythmus minutiös festgelegt. Heute gibt es keine strengen Vorschriften mehr. Dennoch ist neben Bewegung und Medikation eine Ernährungsumstellung die wichtigste Therapiesäule. Das Ziel: Blutzucker im Normbereich halten; Übergewicht verhindern bzw. abbauen; die Fettaufnahme reduzieren. Beim Fett ist den ungesättigten Fettsäuren wie sie im Olivenöl, in Nüssen und Meeresfischen vorkommen, der Vorzug zu geben. Den Hauptanteil der Nahrung sollen komplexe Kohlenhydrate ausmachen, die in Vollkornprodukten und Gemüse vorhanden sind und nur langsam in Glukose umgebaut werden. Dazu wird empfohlen, mindestens 30 Gramm Ballastsstoffe am Tag zu sich zu nehmen. Einfache Kohlenhydrate, wie sie in Süßigkeiten, Limonade, Keksen, Kuchen und Marmelade enthalten sind, führen dagegen zu einem sehr raschen Blutzuckeranstieg. Sie sollten nur in geringem Maße verzehrt werden. Diabetiker sollen reichhaltig Vitamine zu sich nehmen und ausreichend trinken. Bei Obstsäften sollte allerdings berücksichtigt werde, dass sie wegen ihres hohen Fruchtzuckergehaltes nur eine untergeordnete Rolle im Speiseplan des Diabetikers spielen dürfen.

Karotten-Kefir-Drink

Zutaten für vier Personen:

1/2 Liter fettarmer Kefir
1 Zitrone, Saft davon
6 Karotten

Den Zitronensaft in den Kefir geben. Die gewaschenen, geschälten und zerkleinerten Karotten im Entsafter entsaften. Karottensaft mit Kefir vermischen und in Gläser füllen.

Pikanter Gemüsedrink

Zutaten für vier Personen:

4 große Möhren
4 Petersilienwurzeln
1/2 Staudensellerie
1 Bund Petersilie
1 Zitrone
1 Fl. Mineralwasser (still oder medium)

Möhren und Petersilienwurzel, waschen und in Stücke schneiden. Staudensellerie waschen, evtl. Fäden abziehen, grob zerkleinern. Petersilie waschen und trocken schütteln. Zitrone auspressen. Gemüse und Petersilie im Entsafter nacheinander entsaften, mit Zitronensaft abschmecken auf Gläser verteilen und mit Mineralwasser auffüllen.

Blutdrucksenkung – mit Vorsicht !

Wie sich schwere Fälle von Durchblutungsstörungen in Zukunft besser vermeiden lassen, sollte eine dreijährige Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover beantworten. Studienleiter Professor Hermann Haller und Wissenschaftler aus ganz Europa interessierte dabei besonders ein Organ: Die Niere. Sie zeigt schon sehr früh an, ob der Diabetes bereits Gefäße geschädigt hat, denn dann scheiden die Nieren das Eiweiß das Albumin aus. Wie es dazu kommt, erklärt Prof. Dr. Hermann Haller: "Normalerweise ist dort kein Eiweiß vorhanden. Doch durch die Zerstörung der kleinen Gefäße in der Niere nimmt die Eiweißausscheidung zu. Das bedeutet, dass dann aber auch die anderen kleinen Gefäße betroffen sind. Im Herzen, in den Augen."

Anders als erwartet

Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie man die kleinen Gefäße durch die Gabe eines Blutdrucksenkers positiv beeinflussen kann. An der Studie nahmen 4.500 Patienten teil. Die Hälfte von ihnen erhielt das Medikament. Damit sollte der Blutdruck auf den optimalen Richtwert von 120/80 eingestellt werden. Doch dann das unerwartete Ergebnis: 18 Studienteilnehmer starben! Die Analyse ergab: Sie alle hatten schon vor der Behandlung verengte Herzkranzgefäße. Die Wissenschaftler kamen nun zu dem Schluss, dass für Patienten, die bereits Arteriosklerose in den Herzgefäßen haben, der Richtwert von 120/80 zu niedrig ist.

Prof. Dr. Hermann Haller, Medizinischen Hochschule Hannover: "Vorher haben wir, mich eingeschlossen, immer gefordert, der Blutdruck sollte so niedrig wie möglich sein. Und ich hatte vor allem für die Nieren eine ganz klare Vorstellung. Das hat sich durch die Studie geändert. Jetzt gehen wir damit pragmatischer um. Blutdruck senken ja, aber nicht mehr um jeden Preis so tief wie möglich und schon gar nicht bei bestehender koronarer Herzkrankheit."

Normalerweise ist niedriger Blutdruck kein Problem. Für einen Gesunden ist er sogar eine Art Lebensversicherung. Sind jedoch die Herzgefäße diabetesbedingt vorgeschädigt, reicht der Blutdruck nicht mehr, um das Blut durch die Engstellen zu pumpen. Ein Herzinfarkt kann die Folge sein. Auch andere internationale Studien scheinen zu bestätigen, dass ein zu niedrig eingestellter Blutdruck bei Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen das Risiko für Komplikationen erhöht. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt deshalb für diese Diabetiker-Gruppe einen Blutdruck, der etwas über dem Richtwert liegt, nämlich optimal bei 130/80. Die Entscheidung muss wohlüberlegt sein, denn ein auf Dauer zu hoch eingestellter Blutdruck erhöht bei Diabetikern das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 

Wie steht’s um die Gefäße ?

Diabetiker haben neben Durchblutungsstörungen auch Nervenschädigungen und in deren Folge eine herabgesetzte Empfindlichkeit. Aus diesem Grund bereiten ihnen Gefäßschäden oft keine Schmerzen, obwohl die Arterien vielleicht schon stark geschädigt sind. Eine gründliche Gefäßdiagnostik ist darum besonders wichtig. Warum dabei den unteren Extremitäten besondere Aufmerksamkeit zukommt, erläutert der Gefäßmediziner Dr. Tom Schilling vom Harz-Klinikum Wernigerode: "Beim Diabetiker gibt es die Besonderheit, dass insbesondere die Unterschenkelschlagadern betroffen sind oder auch isoliert durchaus die Arterien im Bereich des Fußes."


Vergleichende Blutdruckmessungen können Aufschluss geben.

Drücke Vergleichen

Erste Anhaltspunkte liefert eine Messung, bei der die Blutdruckwerte in den Beinen mit denen in den Armen verglichen werden. Aus dem Verhältnis der Blutdrücke wird ersichtlich, ob die Durchblutung im Bereich der Beine normal ist. Diese Messung wird nach einem kurzen Laufbandtraining wiederholt, weil sich so noch aussagekräftigere Ergebnisse erzielen lassen.

Blutdruckmessungen können bei Diabetikern allerdings trügerisch sein. Denn die Arterienverkalkung kann die Gefäßwand steinhart werden lassen, die dann der Manschette des Messgeräts zuviel Widerstand leistet. "Das kann dazu führen, dass relativ schlecht durchblutete Arterien, weil man sie nicht zusammendrücken kann, in dieser Untersuchung eine bessere Durchblutungssituation vorgaukeln", so Dr. Tom Schilling.

Weitere Untersuchungen

Deshalb sind weitere Befunde wichtig, zum Beispiel die Messung der Zehendurchblutung oder die Ermittlung der Sauerstoffsättigung mit Hilfe einer Mess-Sonde. Diese Messung ist vor allem bei Wunden an Beinen oder Füßen wichtig. Das Ergebnis hilft, den Verlauf der Wundheilung einzuschätzen. Außerdem muss bei Diabetikern vom Bereich der Hauptschlagader im Bauchbereich bis hin zu den Zehen das komplette Gefäßsystem regelmäßig untersucht werden. Dies erfolgt unter anderem mit der klassischen Ultraschalldiagnostik.

Behandeln und bewegen

Bereits vorhandene Gefäßschäden können nicht rückgängig gemacht werden. Allerdings lässt sich die Entstehung von Schäden durch diabetesbedingte Durchblutungsstörungen mit einer abgestimmten Therapie hinauszögern oder gar vermeiden. Darum ist eine frühzeitige und konsequente Behandlung erforderlich.

 



Insulin zu spritzen, empfinden Betroffene oft als Verschärfung ihrer Krankheit.

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die optimale Einstellung des Blutzuckers. Mit Medikamenten lässt sich die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin verbessern. Früher oder später wird ein Diabetiker aber jedoch nicht um eine Gabe von Insulin herumkommen. Viele Betroffene scheuen sich vor Injektionen, weil sie dies als Verschärfung der Krankheit empfinden. Mit Spritzen oder Pumpen lässt sich das Insulin aber gut dosieren und der Blutzucker gut einstellen. Zusätzlich müssen auch andere gefäßschädigende Krankheiten behandelt werden. Der Blutdruck muss auf Normwerte gesenkt und überschüssiges Blutfett reduziert werden. Beides erfolgt durch Medikamente. Die richtige Kombination aller drei Behandlungsteile nimmt mitunter Zeit in Anspruch und erfordert Geduld.

Alles in Bewegung

Sport gilt neben der richtigen Medikation und einer angepassten Ernährung als wesentliche Säule der Diabetes-Therapie. Sport hilft, Übergewicht abzubauen, Muskeln aufzubauen und die Durchblutung zu verbessern. Es sollte aber die passende Sportart sein, wie Dr. Henner Montanus von der Elbe-Saale Klinik Barby empfiehlt: "Ein Typ-II-Diabetiker sollte ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining machen, wenn es keine Gegenanzeigen für ein Krafttraining, wie zum Beispiel Augenhintergrund-Veränderungen, gibt. Er baut dadurch Muskulatur auf und verbessert den Bewegungsumfang. Durch die Ausdauerbelastung hat man einen sehr guten Einfluss auf die gesamte Stoffwechselsituation." Dies sollte mindestens zwei Mal die Woche für 40 bis 60 Minuten erfolgen. Ideal sind ideal fünf Einheiten pro Woche.

Wie Sport wirkt

Durch die Anstrengung sinkt der Blutzuckerspiegel unmittelbar und messbar. Denn wenn die Muskeln arbeiten, brauchen sie Zucker als Energielieferanten - und den holen sie sich beim Sport direkt aus dem Blut. "Zucker, also Glukose, ist ein Hauptenergieträger für die Muskulatur und wird natürlich bei der körperlichen Aktivität verwertet, so dass hier eine ideale Beeinflussung des Blutzuckerweges stattfinden kann.", so Dr. Henner Montanus.


Sport wirkt effektiv gegen Diabetes.

Regelmäßige körperliche Betätigung baut Fettdepots ab. Gleichzeitig steigt das "gute" Cholesterin HDL und das Verhältnis zwischen "gutem" und "schlechtem" Cholesterin verbessert sich. Dies kann einem Fortschreiten der Arteriosklerose vorbeugen. Auch die Blutdruckwerte lassen sich durch Bewegung senken. Die Blutgefäße erweitern sich und der Ruhe-Blutdruck sinkt. Die Fließeigenschaften des Blutes verbessern sich. Dadurch sinkt das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose). Sport und Bewegung verbessern außerdem die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin.

Manchen Diabetikern gelingt es, allein durch Sport ihre Blutzuckerwerte und damit ihre Krankheit über viele Jahre in den Griff zu bekommen. Und wer sich eine fröhliche Sportgruppe Gleichgesinnter sucht, entdeckt vielleicht sogar ein neues Hobby, das viel Freude bereitet.


Training mit Gütesiegel

Die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) hat gemeinsam mit dem TÜV Rheinland Kriterien für ein Gütesiegel "Diabetestraining-geeignet" festgelegt. Fitnessstudios können dieses Siegel ab 2011 beantragen. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass Diabetiker Sicherheit beim Training benötigen. Das gilt besonders für Anfänger, die die Wirkung körperlicher Aktivität auf ihre Krankheit nur schwer einschätzen können. Ein TÜV-Siegel nimmt ihnen leichter die Berührungsängste. Grundvoraussetzung für das Siegel ist die Qualifikation des Personals. Mindestens ein Mitarbeiter muss über eine gültige Übungsleiterlizenz für den Rehabilitationssport verfügen. Weitere Informationen findet man auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der DDG.

Gefährliche Durchblutungsstörungen

Praktisch jedes Organ kann durch diabetesbedingte Durchblutungsstörungen geschädigt werden. Wenn Gefäße im Herzen oder im Gehirn betroffen sind, sind Schlaganfall und Herzinfarkt die lebensbedrohlichen Folgen.

Diabetes kann das Herz schädigen.

Diabetes zerstört aber auch die kleinen Kapillaren im Auge. Dies führt zu Sehstörungen und im Extremfall zu Erblindung. Schaden können auch die Nieren nehmen. Sie erfüllen ihre Filterfunktion dann zunehmend schlechter. Im weiteren Verlauf kann sogar dauerhaft die künstliche Blutwäsche (Dialyse) notwendig werden.

Durch die Durchblutungsstörungen wird zudem das Gewebe schlecht versorgt, wodurch die Abwehrkraft gegen Infektionen sinkt. Häufig heilen Wunden dann nur noch schlecht oder gar nicht mehr. Dadurch können kleinste Verletzungen zu schwerwiegenden Wundproblemen führen. Dies tritt bei Diabetikern besonders häufig an den Füßen auf.

Gründliche Zahnpflege ist wichtig

Auch die Mundschleimhäute sind bei Diabetikern häufig von Durchblutungsstörungen betroffen. Das kann vor allem den Speichelfluss einschränken. Die daraus resultierende Mundtrockenheit ist ein häufiges Problem. Denn mangelt es an Speichel, fehlt den Zähnen ein wichtiger Schutz, wie der Zahnarzt Prof. Dr. Rainer Haak vom Universitätsklinikum Leipzig erklärt: "Der Speichel ist dazu da, die Säuren, die Karies auslösen, abzupuffern oder zu blocken. Und je weniger Speichel man in der Mundhöhle hat, desto länger können die Säuren einwirken und desto höher ist das Risiko, tatsächlich auch eine Karies zu entwickeln."

Diabetiker sollten sich verstärkt um ihre Zahnpflege kümmern und regelmäßig eine Zahnreinigung durchführen lassen.

Diabetiker sollten darum regelmäßig und gründlich ihre Zähne reinigen, vor allem die schwer zugänglichen Zahnzwischenräume mit Zahnseide. Der Speichelfluss kann durch Kaugummikauen angeregt werden. Bei akuter Trockenheit wird eine Mundbefeuchtung mit Speichelersatzmaterialien empfohlen. Die lösen das Problem der Mundtrockenheit zwar nicht ganz, befeuchten aber die Schleimhäute.

Für Diabetiker empfiehlt sich außerdem eine professionelle Zahnreinigung, denn in den dabei entfernten Belägen sammeln sich viele Bakterien, die durch den verminderten Speichel weniger natürliche Feinde haben. Die 50 bis 80 Euro teure Reinigung muss man allerdings selbst bezahlen. Dennoch bleibt der bakterielle Befall in trockenen Mündern höher, wodurch früher oder später auch das Zahnfleisch angegriffen wird. Die Folge ist Parodontitis. Man weiß, dass Diabetiker dreimal häufiger Zahnbetterkrankungen bekommen, als ein normaler Patient. Zahnfleischbluten und Zahnfleischrückgang sind genauso alarmierend, denn die sind die Folgen einer Parodontitis. Die muss manchmal chirurgisch behandelt werden, um die Bakterien auch aus den Tiefen zu entfernen. Um solche Prozeduren zu vermeiden, wird vorbeugend eine spezielle Zahnfleisch-Desinfektion empfohlen.

Gestörte Durchblutung, geschädigte Nerven

Die Durchblutungsstörungen gehen in den meisten Fällen mit Nervenschäden, einer Neuropathie, einher. Unter dem überschüssigen Zucker leidet die Empfindsamkeit der Nerven und damit die Fähigkeit, Signale an das Gehirn zu melden. Dies hat verschiedene Konsequenzen, bei Männern z.B. Erektionsstörungen. Impotenz ist mitunter der erste Hinweis, durch den sich ein Diabetes bemerkbar macht. Weil auch der Magen-Darm-Trakt von einem empfindlichen Nervensystem gesteuert wird, können Verdauungsstörungen wie Verstopfung oder Durchfälle auftreten.

Besonders aber an den Füßen treten Durchblutungsstörung und Neuropathie oft gemeinsam auf. Kleine Verletzungen oder Pilzerkrankungen lösen dann keine Schmerzen aus und werden von einem Diabetiker nicht bemerkt. Das führt zu Wunden, die nicht mehr heilen wollen, sondern immer schlimmer werden. Das kann schließlich zum Absterben von Gewebe führen, so dass Amputationen von Zehen oder dem ganzen Fuß notwendig werden. Dieses so genannte Diabetische Fußsyndrom lässt sich vermeiden, indem Diabetiker ihre Füße regelmäßig in Augenschein nehmen und bei kleinsten Verletzungen sofort den behandelnden Arzt zu Rate ziehen.
 

Mein Tipp: Mitbehandlung durch Phytotherapeutika

Bei der naturmedizinischen Mitbehandlung von Diabetes sind Ginkgoblätterextrakte die Mittel der Wahl. Sie sind selbst von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie anerkannt, die immerhin drei kontrollierte Studien mit positivem Ausgang fordert.

 
Dr. med. Anke Görgner und Dr. med Franziska Rubin

 

Ginkgoblätter-Trockenextrakte enthalten Ginkglide, Flavonglykoside und andere Wirkstoffe. Die Blätter werden nicht direkt verwendet, sondern die Wirkstoffe aus alkoholischen Gesamtauszügen gewonnen. Diese Auszüge sollten mindestens 20 Prozent Ginkgo-Flavonglykoside enthalten. Als Tagesdosis sollten Tabletten mit 120 bis 160 Milligramm Trockenextrakt eingenommen werden. Ihre Wirkung besteht in einer Gefäßerweiterung und einer Durchblutungssteigerung besonders von tiefer liegenden Gefäßen. So kommt es zu einer Verbesserung der Gehstrecke nach mindestens sechswöchiger Therapie.

 

Zusammen mit Buchweizenkraut kann die Behandlung optimiert werden. Das darin enthaltene Rutin verbessert die Mikrozirkulation und beugt weiteren Gefäßschäden vor. Buchweizenkraut wird als Tee getrunken. Es ist ein idealer Frühstückstee. Zur Zubereitung wird ein Esslöffel Kraut mir 250 Milliliter Wasser überbrüht und fünf Minuten ziehen gelassen. Es empfiehlt sich, vor dem Essen dreimal eine Tasse Tee schluckweise zu trinken.

 

Außerdem kann Fasten unter ärztlicher Aufsicht zur Gefäßregeneration beitragen.

 

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