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Sind Nüsse wirklich Dickmacher?

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Nüsse in der Ernährung des Menschen

Ein Bericht über neuere Forschungsergebnisse

von PD Dr. med. Achim Bub

und

M.Sc. Berenike A. Stracke

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Nüsse in der Ernährung des Menschen

Einleitung

„Nüsse als Dickmacher?“ dieses negative Image, das Nüssen z.T. heute noch anhaftet, muss definitiv als überholt betrachtet werden. Wegen ihres hohen Fettgehaltes galten Nüsse lange Zeit als pure Energielieferanten und wurden ernährungsphysiologisch schlecht bewertet. In den vergangenen Jahren wurden Nüsse und ihre Bedeutung für die menschliche Gesundheit intensiv erforscht. Inzwischen sind Nüsse zusammen mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten integraler Bestandteil einer gesunden Ernährung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (www.dge.de), die „5 am Tag“ Kampagne (www.5amTag.de) und z.B. auch die Amerikanische Herzgesellschaft (American Heart Association; Krauss et al. 2001) haben Nüsse in ihre Ernährungsempfehlungen aufgenommen. Als Teil einer pflanzlich betonten Ernährungsweise haben Nüsse heute das Potential, der steigenden Zahl ernährungsmitbedingter Erkrankungen entgegen zu wirken.

Im Jahre 2001 erschien in der Reihe Berichte der Bundesforschungsanstalt für Ernährung eine Literaturstudie mit dem Titel „Nüsse in der Ernährung“ von J.F. Diehl (BFE-R-01-01). Darin zusammengefasst und bewertet wurden die bis 2000 erschienen Untersuchungen überwiegend zum Einfluss von Nüssen auf Herzkreislauferkrankungen und den Fettstoffwechsel. In der vorliegenden Arbeit werden diese Themen bis zum Jahre 2005 fortgeführt und durch aktuelle Veröffentlichungen zu den Themen Adipositas1, Metabolisches Syndrom2, Typ 2 Diabetes3 und Krebs ergänzt.

1 Adipositas: Übergewicht/Fettsucht, charakterisiert durch einen BMI (body mass index) von > 30 kg/m2. Der BMI beschreibt das Verhältnis von Körpermasse in kg pro Quadrat der Körperhöhe (m2).

2 Das Metabolische Syndrom beschreibt einen Symptomkomplex von bauchbetontem Übergewicht, Insulinresistenz, Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörung) und Hypertonie (Bluthochdruck). Aktuelle Definition des Metabolischen Syndroms nachzulesen bei IDF (International Diabetes Federation; http://www.idf.org/webdata/docs/IDF_Metasyndrome-definition.pdf) vom 4. Oktober 2005.

3 Typ 2 Diabetes: nicht insulinabhängige Diabetes.

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Nüsse und Körpergewicht

„Nüsse machen nicht dick!“. So einfach wie prägnant könnte der Zusammenhang zwischen Nussverzehr und Körpergewicht umschrieben werden. Natürlich gelten auch beim Verzehr von Nüssen der Energieerhaltungssatz und die Tatsache, dass bei positiver Energiebilanz das Körpergewicht ansteigt. Doch weder epidemiologische4 noch Interventionsstudien5 geben Anlass zur Sorge, dass regelmäßiger Nussverzehr das Körpergewicht steigen ließe (Garcia-Lorda et al. 2003, Sabaté 2003, St-Onge 2005).

Seit langem ist bekannt, dass Personen, deren Ernährungsverhalten regelmäßigen Nussverzehr beinhaltet, einen niedrigeren body mass index (BMI) haben. Dies konnte z.B. in der Adventist Health Study, einer Kalifornischen Studie mit 31200 Teilnehmern (Fraser et al. 1992) sowie in der Nurses Health Study an 86000 Frauen (Hu et al. 1998) gezeigt werden. Aktuelle Daten aus der gleichen Studie an Frauen bestätigen, dass die Gewichtsentwicklung in keinem Zusammenhang mit dem Verzehr von Nüssen steht (Jiang et al. 2002). Auch bei 21400 Männern aus der Physicians´ Health Study ist das Ergebnis vergleichbar: die Höhe des Nussverzehrs hat keinen Einfluss auf den BMI (Albert et al. 2002).

Auch kontrollierte Interventionsstudien zum Nussverzehr liefern, bis auf eine Studie, keine Hinweise auf Zunahme des Körpergewichtes. Der Verzehr von täglich 100 g Mandeln zusätzlich zur üblichen Ernährung über 4 Wochen erhöhte bei gesunden Männern das Körpergewicht um 0,9 kg, bei Frauen um 0,3 kg (Lovejoy et al. 2002). Allerdings gab es in dieser Studie keine Kontrollgruppe, die einen Zeiteffekt berücksichtigen würde und schränkt damit die Beurteilbarkeit der Ergebnisse ein.

4 Epidemiologische Studien sind Untersuchungen, die an großen Bevölkerungsgruppen und meist über einen langen Zeitraum (Jahre) durchgeführt werden. Sie haben den Vorteil, dass sehr große Studienkollektive repräsentativ für die Gesamtbevölkerung untersucht werden können und liefern im Idealfall Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Ernährungsfaktoren und der Entstehung bestimmter Erkrankungen.

5 Bei Interventionsstudien oder Klinischen Studien erhalten die Teilnehmer über einen bestimmten Zeitraum eine definierte Diät, um z.B. im Blut zu untersuchen wie sich diese Ernährungsweise auf Körperfunktionen oder Risikofaktoren auswirkt. Klinische Studien können unter kontrollierten, genau definierten Bedingungen, meist aber nur bei relativ wenigen Teilnehmern durchgeführt werden.

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Eine zusammenfassende Darstellung zu Interventionsstudien mit Nüssen findet sich bei Garcia-Lorda et al. (2003). Darüber hinaus konnten Australische Forscher in einer randomisierten crossover Studie zeigen, dass der Austausch von gesättigten Fetten durch einfach-ungesättigte Fette aus Nüssen sogar zur Reduktion des Körpergewichtes führt (Piers et al. 2003). Auch der Verzehr von Walnüssen oder Mandeln zeigt unter kontrollierten Studienbedingungen keinen signifikanten Anstieg des Körpergewichtes (Fraser et al. 2002, Sabaté et al. 2005). Lediglich bei den Personen mit den geringsten BMI-Werten wurde eine leichte Gewichtszunahme nach Verzehr von täglich ca. 60 g Mandeln über 6 Monaten beobachtet (Fraser et al. 2002). Die vorgestellten Daten können wie folgt zusammengefasst werden:

Moderater bis hoher Nussverzehr hat keinen Einfluss auf das Körpergewicht, unabhängig davon ob Nüsse im Austausch für andere Lebensmittel oder zusätzlich zur üblichen Ernährung verzehrt werden.

Bei den genannten kontrollierten Interventionsstudien am Menschen wurde z.T. eine Energiebilanz erstellt. Erwartungsgemäß ergab sich rein rechnerisch eine positive Energiebilanz, die mit einer Zunahme des Körpergewichtes hätte einhergehen müssen. Bis auf die eine zitierte Studie wurde aber keine Gewichtszunahme beobachtet. Mehrere Gründe werden hierfür diskutiert: die unvollständige Absorption der Nüsse, der Sättigungseffekt, ein möglicher Einfluss auf den Engergiestoffwechsel durch eine erhöhte postprandiale Thermogenese, höhere Fettoxidation, geringere Fettakkumulation oder auch einen Anstieg des Ruheenergieumsatzes (Garcia-Lorda et al. 2003, Sabaté 2003). Darüber hinaus gibt es neuere Hinweise aus einer randomisierten, kontrollierten crossover Studie, dass Walnussverzehr vor der Hauptmahlzeit einen Einfluss auf die Lebensmittelauswahl hin zu einer höheren Ballaststoffaufnahme hat (Burton-Freeman 2005).

Sind Nüsse integraler Bestandteil einer Ernährungsweise, wie z.B. bei Vegetariern oder der mediterranen Ernährung wird eher ein geringerer BMI beobachtet als beispielsweise bei einer typischen fettbetonten „westlichen“ Ernährungsweise. Die klassische mediterrane Ernährungsweise zeichnet sich neben dem hohen Anteil an Obst, Gemüse und hochwertigen Pflanzenölen auch durch den erheblichen Anteil an Nüssen aus. Je ausgeprägter die mediterrane Ernährungsweise ist, desto niedriger ist der BMI und der Anteil der Übergewichtigen, zeigt eine epidemiologische Studie

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an über 3100 Personen in Spanien (Schröder et al. 2004) und eine longitudinale Untersuchung an 6300 Teilnehmern über 28 Monate (Sanchez-Villegas et al. 2006). Auch unter randomisierten kontrollierten Studienbedingungen sehen die Befunde ähnlich aus. Eine mediterrane Ernährung war nach 18 Monaten erfolgreicher in Bezug auf die Gewichtsreduktion als die Vergleichsgruppe mit einer fettreduzierten Ernährung (McManus et al. 2001).

Diese Befunde wurden gezielt in ein Programm zur Gewichtsreduktion integriert (Wien et al. 2003). In einer randomisierten prospektiven Studie an 65 Übergewichtigen wurde der Einfluss verschiedener Formula-Basisdiäten mit Ergänzungen auf die Gewichtsentwicklung über einen Zeitraum von 24 Wochen untersucht. Die Kombination aus Formuladiät mit Mandeln war in bezug auf die Gewichtsreduktion effektiver als eine kohlenhydratangereicherte Formuladiät. Zusätzlich verbesserte die Abnahme des Körpergewichtes in der Mandel-Gruppe auch solche Parameter, die mit dem Metabolischen Syndrom assoziiert sind: Insulinresistenz (HOMA-IR), Triglyceride und Blutdruck.

Metabolisches Syndrom und Typ 2 Diabetes

Beim Metabolischen Syndrom, das durch abdominelle Adipositas, Insulinresistenz, Dyslipidämie und Hypertonie charakterisiert ist, können Ernährungsinterventionen mit Nüssen die metabolische Situation positiv beeinflussen.

In einer randomisierten prospektiven Studie an 65 übergewichtigen und adipösen Erwachsenen wurde der Einfluss von Mandeln (84 g/d für 24 Wochen) in Kombination mit einer kalorienreduzierten Formula Diät auf Parameter des metabolischen Syndroms untersucht (Wien et al. 2003). Im Beobachtungszeitraum kam es neben der Reduktion der abdominellen Adipositas auch zur Verbesserung von Insulinresistenz, Dyslipidämie und Hypertonie.

In einer weiteren randomisierten kontrollierten Parallel-Studie bei 68 Patienten mit Metabolischen Syndrom wurde untersucht, ob der Verzehr von Walnüssen oder Cashewkernen einen Einfluss auf hämostatische Marker hat. Nach 8 Wochen hatten weder Walnüsse, noch Cashewkerne einen signifikanten Effekt auf Fibrinolyse oder Koagulation (Pieters et al. 2005). Im Vergleich zu der Untersuchung von Wien (2003)

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war der Interventionszeitraum in dieser Studie mit 8 Wochen relativ kurz. Die fehlende Gewichtsabnahme bei den Patienten könnte zumindest teilweise erklären, warum kein Interventionseffekt beobachtet wurde.

Mit insgesamt zwei Jahren war der Interventionszeitraum in der Studie von Esposito und Kollegen (2004) vergleichsweise lang. Sie untersuchten an 180 Patienten mit Metabolischem Syndrom den Einfluss einer „mediterranen Ernährungsweise“ auf Endothelfunktion und inflammatorische Marker. Im Vergleich zur Kontrollgruppe verzehrten die Patienten mit mediterraner Kost täglich durchschnittlich 274 g mehr Obst, Gemüse und Nüsse. Auch hier wurden die Faktoren des Metabolischen Syndroms positiv beeinflusst: Rückgang der abdominellen Adipositas, sowie Verbesserung von Insulinresistenz, Dyslipidämie und Hypertonie. Darüber hinaus kam es zur Verbesserung der Endothelfunktion und von inflammatorischen Markern. In dieser Studie wurde die Ernährungsintervention durch Empfehlungen zur Änderung des Ernährungsverhaltens erreicht, die auch eine Steigerung des Nusskonsums beinhaltete. Eine kontrollierte Studie mit definierter Nussaufnahme liegt hier nicht vor. Insofern können die beobachteten Effekte nicht allein auf den Verzehr von Nüssen zurückgeführt werden.

Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, moderater Alkoholkonsum und Verzicht auf Rauchen sind die entscheidenden Faktoren in der Prävention des Typ 2 Diabetes (Parillo & Riccardi 2004, Schulze & Hu 2005). Ein präventiver Ernährungsstil ist u.a. gekennzeichnet durch moderaten Verzehr von Fett und tierischen Produkten bei gleichzeitig hohem Konsum pflanzlicher Lebensmitteln, einschließlich Nüsse. Durch ihre Inhaltsstoffe, wie einfach- und mehrfachungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe können Nüsse zur Diabetesprävention beitragen (Jenkins et al. 2003, Ros et al. 2003, Lovejoy et al. 2005).

Der Einfluss von Nüssen auf das Risiko an Typ 2 Diabetes zu erkranken wurde an 83818 amerikanischen Frauen der „Nurses´ Health Study“ untersucht. In dieser epidemiologischen Studie ist ein hoher Nussverzehr (≥ 5 x 28 g Nüsse pro Woche) mit einem um 27% verminderten Risiko assoziiert an Typ 2 Diabetes zu erkranken (Jiang et al. 2002). Die Autoren diskutieren, dass das Fettsäuremuster der Nüsse, die reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fetten sind, hier ursächlich eine Rolle

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spielt. Eine hohe Nussaufnahme geht auch mit einer höheren Ballaststoff- und Magnesiumaufnahme einher, die ebenfalls das Risiko für Typ 2 Diabetes senken können (Schulze & Hu 2005). Eine hohe Magnesiumaufnahme, z.B. durch Vollkornprodukte, Nüsse und grünes Blattgemüse senkt das Diabetesrisiko bei Männern um 34% und bei Frauen um 33% (Lopez-Ridaura et al. 2004).

Ob jedoch ein hoher Nussverzehr Faktoren des Metabolischen Syndroms oder gar die Stoffwechsellage bei manifestem Diabetes beeinflusst, kann nur durch klinische Studien mit kontrollierter Intervention untersucht werden. Solche Daten liegen bisher kaum vor.

In einer randomisierten kontrollierten Studie untersuchten Tapsell und Kollegen (2004) den Einfluss von täglich 30 g Walnüssen auf Parameter des Lipid- und Glukosestoffwechsels. Nach 6 Monaten Walnußverzehr blieb der Blutzucker-Langzeitmarker HbA1c unverändert. Auch das Körpergewicht der Diabetiker blieb konstant. Es wurde jedoch eine Verbesserung der Lipidparameter beobachtet. Die LDL-Spiegel im Serum waren um 10% niedriger, gleichzeitig stieg die HDL-Konzentration im Serum an.

Auch der Verzehr von 100 g Mandeln für 4 Wochen, kombiniert mit einer fettreichen oder fettarmen Ernährung, hatte keinen Einfluss auf den Glukosestoffwechsel von Diabetikern (Lovejoy et al. 2002). Nach Verzehr von Mandeln, zusammen mit einer fettreichen Ernährung, ist der Cholesterinspiegel, verglichen mit den anderen Studiengruppen am niedrigsten.

Zwar konnte bei beiden Studien weder mit Walnüssen noch mit Mandeln der Glukosestoffwechsel beeinflusst werden, doch konnte auch bei Diabetikern gezeigt werden, dass Nüsse den Cholesterinspiegel senken können. Diabetiker haben ein mehrfach erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund können Diabetiker bzgl. des kardiovaskulären Risikos vom Verzehr von Nüssen profitieren; Risiko-steigernde Effekte wurden nicht beobachtet.

Die vorliegenden Daten zeigen, dass bei Patienten mit Metabolischem Syndrom der Verzehr von Nüssen zur Verbesserung des Glukosestoffwechsels beitragen kann, nicht jedoch bei Patienten mit manifestem Diabetes. Die bisher publizierten Studien zeigen weiterhin, dass eine nussreiche Ernährung sowohl das Risiko für Typ 2

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Diabetes als auch die Risikofaktoren diabetischer Sekundärkomplikationen senken kann, insbesondere von Herzkreislauferkrankungen.

Herzkreislauferkrankungen

Ein erhöhter Verzehr von Nüssen senkt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Diese zunächst aus epidemiologischen Studien gewonnenen Ergebnisse wurden in der Folge durch klinische Studien verifiziert. Regelmäßiger Nussverzehr senkt Gesamt- und LDL-Cholesterin im Blut und wirkt sich somit positiv auf einen Hauptrisikofaktor im pathophysiologischen Geschehen kardiovaskulärer Erkrankungen aus. Noch konnte nicht eindeutig der oder die Inhaltsstoffe in Nüssen identifiziert werden, die für die Senkung des Cholesterins verantwortlich sind. Es spricht allerdings vieles dafür, dass vor allem das günstige Fettsäureprofil der Nüsse eine wesentliche Rolle spielt. Nüsse besitzen einen relativ hohen Gehalt an einfach-ungesättigten Fettsäuren und kaum gesättigte Fette, die in die Cholesterinsynthese eingreifen. Welche anderen Inhaltsstoffe das Potential zur Senkung des Risikos für Herzkreislauferkrankungen haben, ist Gegenstand der nachfolgenden Ausführungen.

Die bis ins Jahr 2000 veröffentlichten epidemiologischen Studien, welche überwiegend in den USA und einige wenige in Europa oder China durchgeführt wurden, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Es konnte gezeigt werden, dass bei Männern und Frauen mit zunehmendem Nussverzehr sich das Risiko einen Herzinfarkt oder einen plötzlichen Herztod zu erleiden, verringert. Die bisher einzige epidemiologische Studie, die in Europa durchgeführt wurde, konnte zeigen, dass ein hoher Walnussverzehr das HDL-Cholesterin und das Apolipoprotein A1 positiv beeinflussen kann (Diehl 2000).

Die zwischen 2000 und 2006 veröffentlichen epidemiologischen Studien untersuchten überwiegend die Aufnahme der reichlich in Nüssen vorkommenden Ballaststoffe. Sie sollten zur Klärung beitragen, welchen Zusammenhang es zwischen Ballaststoffen und dem Risiko für Herzkreislauferkrankungen gibt. In einer

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französischen Studie wurde bei 2532 Männern und 3429 Frauen mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen die Aufnahme von Ballaststoffen ermittelt. Teilnehmer mit der höchsten Ballaststoffzufuhr hatten niedriger Blutfettwerte und einen niedrigeren Blutdruck im Vergleich zu Studienteilnehmern, die weniger aufnahmen. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass unverdauliche Ballaststoffe in Bezug auf diese Effekte wirkungsvoller waren als verdauliche Ballaststoffe. Darüber hinaus war die hohe Aufnahme von Ballaststoffen aus Nüssen mit einem niedrigeren BMI und geringeren Apolipoprotein B Konzentrationen assoziiert (Lairon D et al. 2005). Im Rahmen der CARDIA Studie konnten Forscher zeigen, dass bei 4304 Teilnehmern im Alter von 18 bis 30 Jahren pflanzliche Lebensmittel einschließlich Nüsse, ebenfalls den Blutdruck senkten (Steffen LM et al. 2005). In einer weiteren epidemiologischen Studie wurde untersucht, welchen Einfluss die Aufnahme von Arginin6 auf das Risiko für Herzkreislauferkrankungen hat. Beim „Third National Health Nutrition and Examination Survey“ wurde in den Jahren 1988 bis 1994 die Arigininaufnahme anhand von 24 h Ernährungsprotokollen ermittelt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass sich durch eine erhöhte Aufnahme von argininhaltigen Lebensmitteln (z.B. Nüsse und Fisch) das Risiko für Herzkreislauferkrankungen reduziert (Wells et al. 2005). Dabei kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, daß andere Inhaltsstoffe, die ebenfalls in argininhaltigen Lebensmitteln vorkommen, wie z.B. ungesättigte Fette oder andere, sich ebenfalls risikomindernd auswirken.

Die bis 2000 veröffentlichten klinischen Studien, die mit Mandeln, Macadamia-, Hasel- und Walnüssen durchgeführt worden waren, beschrieben sehr einheitliche Ergebnisse in Bezug auf den Fettstoffwechsel. Untersucht wurden sowohl Gesunde (Männer und Frauen) als auch Personen mit Fettstoffwechselstörungen, zumeist Hyperlipidämien. Das Gesamtcholesterin wurde durch den Verzehr von Nüssen bei allen Studien signifikant gesenkt. Bei einigen der durchgeführten klinischen Studien kam es zusätzlich zu einer Abnahme des LDL-Cholesterins und der Triglyceride, bei gleichzeitiger Zunahme von HDL. Bei einigen Studien wurde auch eine Abnahme des HDL beschrieben (Diehl 2000).

6 Arginin ist eine Aminosäure (Eiweißbaustein), die im Körper auch als Vorstufe für die Bildung einer

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Blutgefäß-regulierenden Substanz (Stickstoffmonoxid) benutzt wird.

Die in den letzten fünf Jahren veröffentlichten klinischen Studien (2000 – 2005) konnten die Ergebnisse aus den vorausgegangenen Publikationen weiter bestätigen. Die Ergebnisse von 6 Mandel- (Hyson et al. 2002, Jenkins et al. 2003, Jones et al. 2005, Lamarche et al. 2004, Sabate et al. 2003, Spiller et al. 2003), 4 Walnuss- (Almario et al. 2001, Morgan et al. 2002, Munoz et al. 2001, Ros et al. 2004), 1 Pecannuss- (Rajaram et al. 2001) und 2 Macadamianussstudien (Garg et al. 2003, Hiraoka-Yamamoto et al. 2004) zeigen alle, trotz gewisser Unterschiede in der Versuchsplanung, eine Abnahme des Gesamtcholesterins zwischen 1 und 7%, des LDL-Cholesterins zwischen 3 und 29% und der Triglyceride zwischen 1 und 15%, verglichen mit Studienteilnehmern die eine Kontrolldiät erhielten. Der erhöhte Nussverzehr führte zu einer Zunahme des HDL-Cholesterins zwischen 0,5 und 8% (Morgan et al. 2002, Almario et al. 2001, Garg et al. 2003, Rajaram et al. 2001, Sabate et al. 2003). Andere Studien dagegen konnten keinen Effekt des Nusskonsums auf das HDL-Cholesterin und die Triglyceride zeigen (Munoz et al. 2001, Spiller et al. 2003, Jenkins et al. 2003).

Orientierten sich die bis ca. 2000 veröffentlichen Arbeiten überwiegend an der Untersuchung von Blutlipiden, so wurden in den letzten Jahren noch weitere Parameter des Fettstoffwechsels, wie Apolipoproteine oder auch oxidierte LDL-Partikel untersucht. Ein erhöhter Nussverzehr (Walnuss, Mandel, Pecannuss) reduziert sowohl die Apolipoprotein B Konzentrationen zwischen 2% und 12% als auch die Lipoprotein a Konzentrationen (Munoz et al. 2001, Sabate et al. 2003, Rajaram, Lapointe et al. 2004). Eine andere Studie konnte keine Änderungen bei den Lipoprotein a Konzentrationen feststellen (Jenkins et al. 2003). Ein vermehrter Konsum von Pecannüssen und Mandeln erhöhte die Konzentration an Apoliporotein A1 im Blut der Studienteilnehmer (Jenkins et al. 2003, Rajaram et al. 2001). Erhöhte Konzentrationen von Apolipoprotein B, Lipoprotein a oder vermindertes Apoliporotein A1 sind mit einem höheren Risiko für Herzkreislauferkrankungen assoziiert.

Neben oxidierten LDL-Partikel, die vermutlich eine Schlüsselrolle in der Entstehung von Arteriosklerose spielen, konnte in den vergangenen 20 Jahren gezeigt werden, dass so genannte „small dense“ LDL-Partikel ein entscheidender Risikofaktor für

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Herzkreislauferkrankungen darstellen. Lediglich eine Studie untersuchte den Einfluss von Nussverzehr auf oxidierte LDL-Partikeln. Diese wurden um 11,3% gesenkt (Lapointe et al. 2003). Zwei weitere Studien untersuchten den Effekt von ungesättigten Fettsäuren auf die unterschiedlichen Fraktionen der LDL-Partikel. Die Fraktion der „small dense“ LDL-Partikel wurde in diesen Studien nicht beeinflusst (Kratz et al. 2001, Lamarche et al. 2004).

Aus neueren Forschungsarbeiten geht hervor, dass neben den klassischen Risikofaktoren aus dem Bereich des Fettstoffwechsels, z.B. auch Homocystein und Entzündungsparameter wie C-reaktives Protein (CRP) und Interleukine (IL-6) Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen darstellen. Eine Senkung der Homocysteingehalte im Blut geht mit einem geringeren Risiko für Herzkreislauferkrankungen einher. Ein hoher Nusskonsum konnte jedoch nur in einer von vier durchgeführten Studien den Homocysteingehalt im Blut der Studienteilnehmer senken (Garg et al. 2003, Jenkins et al. 2003, Morgan et al. 2002, Ros et al. 2004). Auch der Einfluss von Nüssen auf Entzündungsmarker ist bisher nur unzureichend untersucht. In zwei Studien wurde eine Abnahme der CRP-Konzentration im Blut beschrieben (Ros et al. 2004, Eposito et al. 2004). Darüber hinaus konnte die Forschergruppe um Eposito eine Reduktion der IL-6, IL-7, IL-8-Konzentrationen nachweisen. Diese Entzündungsparameter wurden in anderen Studien bisher nicht untersucht.

Bis heute ist noch weitgehend ungeklärt, welcher Zusammenhang zwischen den Inhaltsstoffen von Nüssen und den positiven Wirkungen auf die Blutfettwerte besteht. Darüber hinaus ist noch nicht vollständig geklärt welche Inhaltsstoffe der Nüsse vor Herzkreislauferkrankungen schützen können. Meist wird der relativ hohe Gehalt an einfach-ungesättigten Fettsäuren betont. Dabei muss beachtet werden, dass die Fettsäurezusammensetzung verschiedener Nussarten sehr variiert: einfach-ungesättigte Fettsäuren ca. 17 g/100 g in Walnüssen und 60 g/100 g in Macadamianüssen. Der Gehalt an mehrfach-ungesättigten Fettsäuren schwankt zwischen 3 g/100 g in Macadamianüssen und 40 g/100 g in Walnüssen (Dreher et al. 1996). Die Ergebnisse der klinischen Studien bei einem erhöhten Verzehr von verschiedenen Nussarten sind dennoch sehr ähnlich. Möglicherweise spielt nicht nur

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das günstige Fettsäureprofil der Nüsse eine Rolle. Es könnten auch andere Inhaltsstoffe der Nüsse wie Vitamine (Vitamin E, Folsäure, Vitamin B6, Niacin), Mineralstoffe, Spurenelemente (Magnesium, Zink, Selen, Kupfer, Kalium) und sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole, Phenolsäuren) eine Rolle spielen.

Epidemiologische Studien, sowie in vivo und in vitro Untersuchungen legen nahe, dass Polyphenole aus Lebensmitteln dazu beitragen können, das Risiko für Herzkreislauferkrankungen zu senken. Zwei Studien untersuchten die Wirkung von Polyphenolen aus Walnüssen und Mandeln. Die Polyphenole der Mandelhaut wurden isoliert und in einem Tierexperiment an Hamstern verfüttert. Bei den Tieren, die die Mandelpolyphenole erhielten wurde ein erhöhter Schutz der LDL-Partikel vor Oxidation nachgewiesen, die oxidierten LDL-Partikel waren reduziert (Chen et al. 2005). Eine Forschergruppe aus Kalifornien bestätigte die oxidationsschützenden Eigenschaften von Polyphenolen aus Walnüssen in LDL-Partikeln. Dies deutet darauf hin, dass auch Polyphenole aus Nüssen antioxidative Eigenschaften entfalten können und damit zum Schutz vor Herzkreislauferkrankungen beitragen können (Anderson et al. 2001). Die Aufnahme von antioxidativ wirksamen Vitamin E aus Nüssen könnte die Wirkung der Polyphenole noch unterstützen. Bei regelmäßigem Verzehr von Mandeln, über einen Zeitraum von zwei Wochen, nimmt die Vitamin E Konzentration im Blut zu (Jambazian et al., 2005). Ebenso scheint die Aufnahme von Walnüssen bei Ratten den Antioxidantienstatus zu verbessern (Reiter et al. 2005). Die Autoren führen die antioxidative Wirkung auf das in den Walnüssen vorkommende Melatonin zurück.

Zusammenfassend kann fetsgestellt werden, dass der regelmäßige Verzehr von 50 – 100 g Nüssen pro Tag zu einer Senkung des Cholesterinspiegels beitragen kann. Dies gilt für Personen mit erhöhten oder auch normalen Blutfettwerten. Ob regelmäßiger Nusskonsum weitere Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen oder z.B. auch chronisch-inflammatorische Mechanismen beeinflusst, kann noch nicht abschließend bewertet werden.

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Krebs

Ernährungsfaktoren spielen auch bei der Entstehung von Krebserkrankungen eine bedeutende Rolle. Zwar ist die Evidenz für die protektive Wirkung von Ernährung für die verschiedenen Krebsarten nicht so überzeugend wie bei Herzkreislauferkrankungen oder Typ 2 Diabetes, doch wird z.B. das Risiko für Dickdarmkrebs durch Ernährungsfaktoren erheblich reduziert.

In einer europäischen Studie zu Ernährung und Krebsrisiko nehmen zurzeit über eine halbe Million Personen teil. Diese European Prospective Investigation into Cancer (EPIC) untersuchte auch den Einfluss eines hohen Nusskonsums auf das Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken (Jenab et al. 2004). Bei insgesamt 855 der 478.040 Teilnehmer dieser Studie wurde Dickdarmkrebs diagnostiziert. Ein hoher Nussverzehr, mehr als durchschnittlich 6,2 g pro Tag, reduzierte das Krebsrisiko nicht. Wurde jedoch das Krebsrisiko für Männer und Frauen getrennt analysiert so zeigte sich, daß ein hoher Nussverzehr (>6,2 g/d) bei Frauen das Risiko um 31% senken kann. Nusskonsum hat in dieser Studie bei Männern keinen Einfluss auf das Dickdarmkrebsrisiko. Ob hormonelle Faktoren, die größere Anzahl der weiblichen Studienteilnehmer oder ein unterschiedliches Verzehrsmuster für Nüsse zwischen Männern und Frauen dafür verantwortlich sind, konnte in der EPIC Studie nicht geklärt werden.

In einer Fall-Kontrollstudie verglichen Petridou et al. (2002) 84 Patientinnen mit Endometriumkarzinom und 84 Kontrollen hinsichtlich Lebensmittel- und Nährstoffaufnahme. Nuss-, Hülsenfrüchte- und Saatenverzehr wurden für die Auswertung zusammengefasst. Es zeigte sich eine inverse Beziehung zwischen dem Verzehr von Nüssen, Hülsenfrüchten und Saaten und dem Risiko ein Endometriumkarzinom zu entwickeln. Die Rolle von Nüssen, insbesondere von verschiedenen Nussarten für das Krebsrisiko, kann wegen der zusammengefassten Ernährungserhebung von Nüssen, Hülsenfrüchten und Saaten aus dieser Studie nicht beurteilt werden. Es kann lediglich die Vermutung abgeleitet werden, dass Nüsse zusammen mit bestimmten anderen Lebensmitteln protektive Effekte in Bezug auf die Entstehung von Endometriumkrebs haben können.

Nüsse als Teil einer pflanzlich betonten Ernährungsweise, wie z.B. bei Vegetariern der 34.192 Teilnehmer der California Seventh-day Adventist Study, reduzieren nicht

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nur das Risiko für Herzkreislauferkrankungen sondern auch das Krebsrisiko (Fraser 1999). Nichtvegetarier haben für Dickdarmkrebs ein um 88% bzw. für Prostatakrebs ein um 54% erhöhtes Risko im Vergleich zu Vegetariern. Die Vegetarier dieser Studie verzehrten nahezu doppelt so viele Nüsse wie die Nichtvegetarier und haben dadurch ein deutlich niedrigeres Krebsrisiko.

Es gibt zahlreiche in vitro Untersuchungen und tierexperimentelle Studien zu anti-karzinogenen Eigenschaften isolierter Nussinhaltsstoffe, wie z.B. Polyphenole, Resveratrol, Lignane, Tokopherole, Inositolphosphate, u.a., die auf mögliche zugrunde liegende Mechanismen hinweisen und eine Kausalität vermuten lassen. Auf eine Darstellung dieser Arbeiten wird hier verzichtet und auf Übersichtsarbeiten in der Fachliteratur verwiesen.

Die o.g. Humanstudien belegen für einen hohen Nussverzehr einen protektiven Effekt bei einigen Krebsarten. Eine abschließende Bewertung zum Einfluss von Nüssen auf das Krebsrisiko ist aufgrund der unvollständigen Datenlage zurzeit jedoch nicht möglich.

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Zusammenfassung

Moderater bis hoher Nussverzehr hat keinen Einfluss auf das Körpergewicht, unabhängig davon ob Nüsse im Austausch für andere Lebensmittel oder zusätzlich zur üblichen Ernährung verzehrt werden. Er kann jedoch zur Verbesserung des Glukosestoffwechsels bei Patienten mit Metabolischem Syndrom beitragen. Die bisher publizierten Studien zeigen weiterhin, dass eine nussreiche Ernährung sowohl das Risiko für Typ 2 Diabetes als auch die Risikofaktoren diabetischer Sekundärkomplikationen senken kann. Nüsse senken das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, möglicherweise dadurch indem sie den kardiovaskulären Risikofaktor Cholesterin im Blut senken. Es spricht vieles dafür, dass vor allem das günstige Fettsäureprofil der Nüsse mit einem relativ hohen Gehalt an einfach-ungesättigten Fettsäuren hierbei eine wesentliche Rolle spielt. Welche anderen Inhaltsstoffe das Potential zur Senkung des Risikos für Herzkreislauferkrankungen haben, ist Gegenstand der Forschung. Ferner gibt es Hinweise, dass ein erhöhter Nusskonsum z.B. auch chronisch-inflammatorische Mechanismen beeinflussen kann. Auch die Entstehung einiger Krebsarten kann durch den Verzehr von Nüssen reduziert werden. Eine abschließende Bewertung hierzu ist aufgrund der unvollständigen Datenlage zurzeit jedoch nicht möglich.

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